erste zwei Arbeitswochen

14März2018

Nun habe ich bereits meine ersten zwei Arbeitswochen hinter mir, welche ich tendenziell positiv aber dennoch mit gemischten Gefühlen bewerten kann.

Ich wurde sehr herzlich im Team aufgenommen: mit Bildern, einem T-Shirt als Geschenk und einer feierlichen Überreichung meiner Arbeitsweste. Alle sind super nett und herzlich und ich fühle mich im Team sehr wohl.

Meine Organisation “Maya Paya Kimsa” arbeitet in El Alto mit Kindern, die auf der Straße leben. MPK besteht aus 3 Bereichen (Initiativa, Reintegración und Alianza). Ich bin hauptsächlich in der Reintegración tätig. Zielgruppe sind hier Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben und etwas in ihrem Leben ändern möchten oder diejenigen, die aufgrund ihrer Situation gefährdet sind auf die Straße zu flüchten. Die Familien und das Umfeld werden zusätzlich mit einbezogen. Die Reintegración hat das Ziel, die Kinder und Jugendlichen wieder in die Gesellschaft zu "integrieren" und sie bei der Umsetzung ihrer damit einhergehenden Wünsche / Ziele (wie z.B. wieder zur Schule zu gehen, zu arbeiten, selbstständig zu sein oder zur Familie zurückzukehren) zu begleiten und zu unterstützen.

In meinen ersten Tagen wurde mir sehr viel über die Arbeit von MPK hier vor Ort erklärt. Da ich leider manchmal nicht ganz alles verstanden habe, werde ich zu gegebener Zeit wohl immer wieder nochmal nachfragen müssen. Der Großteil meiner Arbeit in der ersten Woche bestand aus "Aktenarbeit". Der Bereich der Reintegración besteht erst seit einem Jahr und zeitlich war es wohl bisher nicht möglich die Akten “aufs Laufende” zu bringen. Die Akten der Kids, Jugendlichen und Familien waren deshalb teilweise etwas chaotisch oder erst gar nicht vorhanden, weshalb ich mich ans Werk machen durfte um Ordnung zu schaffen. Ich bin gespannt, wie lange es hält :)

In der zweiten Woche hatte ich dann deutlich mehr mit Menschen zu tun. Jeden Mittwoch Nachmittag gibt es ein offenes Angebot, zu dem alle Familien kommen können. Das Angebot besteht aus Aktionen zu wechselnden Themen, bei denen vor allem die Gemeinschaft im Vordergrund steht. An den anderen Tagen besteht die Arbeit aus Gesprächen, Hausbesuchen und Arbeit mit und bei den Familien, Begleitung zum Krankenhaus oder zu Ämtern. Vor allem gesundheitliche Probleme spielen hier eine große Rolle, da Krankheiten wie Aids, Tuberkulose, Wundinfektionen oder Zahnprobleme sehr weit verbreitet sind und damit zusammenhängend auch Armut, Gewalt und Alkoholprobleme in vielen Familien ein Thema sind. Die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen ist für mich sehr interessant und bereichernd und es hat mir viel Freude bereitet, auch wenn ich in vielen Bereichen bis jetzt nur “Zuschauer” bin und wenig selbst machen kann. Immerhin konnte ich die eine oder andere hilfreiche Idee einbringen. 

Da bei der Arbeit teilweise unglaublich viel und schnell geredet wird, habe ich immer wieder Schwierigkeiten alles so schnell zu verstehen und oft bleibt keine Zeit, die Dinge nochmals zu erklären. Dies empfand ich für mich einerseits teilweise etwas deprimierend, andererseits auch als Ansporn so schnell und so gut wie möglich meine Spanischkenntnisse zu erweitern. Eine weitere Herausforderung ist für mich die bolivianische Arbeitskultur. In Bolivien tickt die Uhr einfach anders und das Zeitverständnis, was Pünktlichkeit betrifft, ist nicht das Gleiche, wie ich es von Deutschland gewohnt bin. Ich werde wohl etwas umdenken müssen! Hier ist “zu spät kommen” die Normalität und auch wenn betont wird, dass man sich pünktlich um 8 Uhr trifft, ist es nicht unüblich eine Stunde auf die Kollegen warten zu müssen. Auch die Zeiten bei vereinbarten Terminen werden sehr flexibel gehalten, werden kurzerhand um ein paar Stunden verschoben oder fallen direkt aus. Somit verschiebt sich unser Feierabend oft um Stunden nach hinten, so dass mein Arbeitstag letzte Woche oft 10 oder 12 Stunden lang war. Bei einer zusätzlichen An-/Abfahrtszeit von ca. 2 h täglich bin ich jeden Abend ziemlich körperlich erschöpft und zum Umfallen müde.

Ich hoffe, ich schaffe es mich schnell an all die bolivianischen Besonderheiten zu gewöhnen und meine Spanisch-Kenntnisse zu erweitern, sodass ich mich sehr bald mehr an dem sehr sinnvollen Projekt beteiligen und einbringen kann.