Familienbesuch

12Juli2018

Ich freu mich so sehr, dass meine Familie für 3 Wochen ins wunderschöne Bolivien gereist kam und wir in dieser Zeit gemeinsam das Land erkunden und die meiste Zeit zusammen genießen konnten.

Die ersten zwei Tage haben wir in Santa Cruz de la Sierra, der mit mehr als 1,5 Mio. Einwohnern größten Stadt Boliviens, verbracht. Diese Stadt war auch für mich eine Überraschung, da sie im Vergleich zu anderen bolivianischen Städten ziemlich westlich erscheint mit ihren großen, eher ruhigen und von Palmen umgebenen Plätzen. Auch die, auf Grund der Höhenlage von nur ca. 450 m, sommerlichen Temperaturen waren für mich ein absolutes Highlight. Noch bevor wir die Stadt erkundeten, entschieden wir uns mit einem Minibus zu den Sanddünen „Lomas de Arena“ zu fahren. Die Fahrt dorthin war aufgrund des Fahrstils unseres Fahrers etwas abenteuerlich. Selbst ich war dies so nicht gewohnt und es gab Momente, in denen die Belustigung ganz plötzlich in Angst umschlug. Nach einer ziemlich langen Wanderung entlang eines Sandweges in der prallen Sonne sind wir dann zwar ziemlich entkräftet bei den Dünen angekommen, ließen es uns aber nicht nehmen noch zum höchsten Punkt aufzusteigen. Dort wurden wir belohnt mit einem wunderschönen Ausblick auf die Dünen und die umgebende Landschaft, was gefühlt die Nähe des Meeres erwarten ließ - leider ist dies zahlreiche Kilometer entfernt.

 

Unser zweiter Aufenthaltsort war Tarija (1.850 m), was als das bolivianische Andalusien bekannt ist. Auffallend sind die weißgetünchten Häuser mit ihren rotgebrannten Dachziegeln. Ansonsten ist Tarija ein schönes, ruhiges und eher untouristisches Städtchen, das dank seines milden Klimas auch aufgrund seiner Weingüter bekannt ist. Nach einem ausgiebigen Stadtrundgang sind wir raus ins Grüne gefahren um noch zu einem Wasserfall zu wandern. Auf der Suche nach einem Taxi durchquerten wir noch einen großen Bauernmarkt. Das bunte, lebhafte und etwas chaotische Treiben war für meine Familie einerseits beeindruckend, gleichzeitig aber auch als erste Konfrontation mit dem für mich „echten“ Bolivien etwas befremdend und neu. Die anschließende Wanderung zum Wasserfall entlang eines Flusses und durch ein grünes Tal war wunderschön. Es hat viel Spaß gemacht immer wieder über große Felsstücke oder Baumstämme zu klettern oder den Fluss überqueren zu müssen um danach noch den Ausblick auf einen großen Wasserfall genießen zu können. 

Nach Tarija ging unsere Reise nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens mit ca. 240.000 Einwohnern und auf ca. 2.800 m gelegen. Im Zentrum ist die Stadt ein „Traum in Weiß“ und einfach wunderschön. In der kolonialen Altstadt findet man viele sehenswerte Kirchen, Paläste und andere historische Gebäude. Es gibt zahlreiche Museen, und diese, die wir besucht haben, stellten sich als sehr interessant und lohnenswert heraus. So konnten wir beispielsweise im Textilmuseum traditionelle Webkunst bestaunen oder im Museo del Tesoro (Edelsteinmuseum) bei einer interessanten Führung viel über die Bodenschätze Boliviens lernen. Sucre hat uns alle sofort begeistert und in mir selbst den Wunsch entfacht, hier leben und arbeiten zu dürfen. Auch die umliegende Landschaft der Stadt war absolut sehenswert. Wir konnten sie bei einem Ausflug in den Maragua – Krater und bei der Erwanderung eines ehemaligen Inka–Weges ausgiebig bestaunen. Die wunderschöne grüne Landschaft sowie die Felsen und Berge in Farben wie gelb, lila, blau und weiß werden mir sicher noch sehr lange in Erinnerung bleiben.

Weiter ging es dann für uns mit einer dreitägigen Tour im Geländewagen in die Salar de Uyuni - ein weiterer Höhepunkt unserer Reise in Bolivien - durch tolle Landschaften in der bolivianischen Hochebene, den Anden, und vorbei an beeindruckenden Felsformationen, Geysiren und zu farbigen Lagunen mit Flamingos.

Die Salar de Uyuni, mit ca. 12 000 km2 die größte Salzwüste der Welt, war einfach  spektakulär und für mich besonders eindrucksvoll. Salz und weiße Fläche soweit das Auge reicht, unendliche Weite und Stille und dazu strahlend blauer Himmel. Nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang, in der zum Teil noch mit Wasser bedeckten Salzwüste, haben wir unsere Nacht in einem Salzhostel verbracht. Hier besteht nahezu alles, von den Wänden, Stühlen, Tischen bis hin zum Bett aus Salz, welches rundherum am Salzsee abgebaut wird. Die Übernachtung war grundsätzlich eine tolle Erfahrung, aber die Kälte rückte einem bei -5°C in der Nacht in die Knochen. Geschlafen haben wir deshalb trotz Schlafsack eingemummelt mit Mütze und Handschuhen.

Am nächsten Tag erwarteten uns viele verschiedene Felsformationen (wie ein Baum aus Stein), die unterschiedlichsten Tiere (Andenfuchs, Alpakas, Lamas, Vincunas, Flamingos Viscachas), farbige Berge, ein Vulkan, eine Wüste und farbige Lagunen. Ein Naturspektakel nach dem anderen konnten wir bestaunen und genießen.

Die zweite Nacht in einem sehr einfachen Hostel war für mich noch schlimmer als die Erste. Abseits von Komfort und fernab der Zivilisation auf ca. 4.200 m, war es noch kälter. Duschen war nicht möglich, da selbst das Wasser in den Rohren gefroren war,  eine Heizung gab es sowieso nicht und Strom nur für 2,5 Stunden am Abend. Trotz mehrerer Schichten an Kleidungsstücken, Schlafsack und Decken fror und zitterte ich die ganze Nacht, fühlte mich als Eiszapfen und  wurde einfach nicht warm. Aber diese Strapazen waren es definitiv wert, denn am nächsten Tag erwarteten uns bei Sonnenaufgang brodelnde Geysire sowie grüne, weiße und rote Lagunen. Die Natur in Bolivien begeistert mich einfach immer wieder aufs Neue. Noch immer durchgefroren kam nun für mich ein weiteres Highlight – Hotsprings! Nach der langen und intensiven Kälte konnte ich mich bei 40°C heißem Wasser wieder einmal richtig aufwärmen und entspannen.

Während der gesamten Tour mit Start- und Endpunkt Uyuni gab es bei mehreren Stopps immer Neues zu sehen. Dazu gehörten unter anderem die wunderschöne Kakteeninsel Isla Incahuasi, der Zugfriedhof bei Uyuni, die Salvador-Dalí-Wüste, Abbaustätten von Mineralien sowie vor allem die beeindruckende Natur mit ihren spektakulären und bizarren Vulkan- und Wüstenlandschaften.

 

Direkt nach der Tour flogen wir weiter nach La Paz, wo wir tatsächlich mit Schnee begrüßt wurden. Aber nach den letzten sehr kalten Tagen fühlte es sich jetzt trotzdem mild an.

Die darauffolgenden Tage war ich tagsüber wieder arbeiten, habe mir allerdings so viel Zeit wie möglich genommen um diese mit meiner Familie zu verbringen. So sind wir gemeinsam durch die Stadt geschlendert, waren auf der Feria (einem riesigen Schwarzmarkt in El Alto) und haben viel Leckeres gegessen. Während meiner Arbeitszeit haben meine drei Lieben viele andere schöne Dinge unternommen und das bunte Treiben der Stadt genossen.

Übers Wochenende sind wir dann noch gemeinsam an den Titicacasee gefahren. Das „Meer“feeling am See war wie Wellness für uns und wir haben uns dort einfach wohl gefühlt. Nach einer Nacht auf dem Festland sind wir mit dem Boot auf die Isla del Sol gefahren und haben dort die Landschaft erwandert und genossen. Selbst die Aussicht aus unserer Unterkunft war atemberaubend. Bereits am nächsten Tag war es wieder Zeit in das schöne La Paz zurückzukehren und dann hieß es auch bereits „Abschied“ nehmen. Meine Familie hat sich die letzten Tage noch alleine auf den Weg durch das Land und in den Regenwald gemacht.

 

Ich bin unglaublich froh, dass meine Drei die Chance hatten mich zu besuchen und ich ihnen einen Teil meiner Welt hier zeigen konnte. Es war eine wirklich tolle gemeinsame Zeit!